Petra Wagner

Gefäßerkrankungen

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Jahrgang: 1971
Diagnose: Pfortaderthrombose, Leberfibrose ; seit vielen Jahren: Verwachsungsbauch

 

 

Mit 4 Jahren wurde bei mir eine oft tödlich verlaufende Lebererkrankung entdeckt. Ich wurde zum ersten Mal zum Sterben nach Hause geschickt. Ich kann mich natürlich nicht bewusst an diese Zeit erinnern. Meine Mutter erzählte mir jedoch später davon und sie war es, die mit mir zu verschiedenen Ärzten, Heilern etc. reiste, um mich gesund zu machen. Es gelang jedoch nicht wirklich aber es gab zumindest Linderungen.

 

Mit 18 Jahren sollte ich eine Lebertransplantation erhalten, doch nach einem mehrmonati-gen Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik, brauchte ich diese nicht mehr und lehne diese auch bis heute ab. Die Erkrankungen von damals sind heute nicht mehr nachweisbar, haben aber eine Menge „Unberechenbares“ in meinem Bauch hinterlassen, so dass ich seit langem als medizinisches Wunder gelte und erst recht zwei Kinder zur Welt gebracht habe.

 

Für mich ist jeder Mensch ein medizinisches Wunder!

 

Als ich 30 Jahre jung war, hatte ich erneut körperliche Sensationen und lief monatelang verzweifelt von Arzt zu Arzt. Einer sagte mir, ich solle in die Ruhe gehen und meine Mitte finden. Damals habe ich darüber gelacht, denn so einfach konnte das für mich nicht sein. Stattdessen habe ich mich für eine Bauchspiegelung entschieden, die in einer Not-OP mündete und wieder wäre ich fast gestorben und wurde als „hoffnungsloser, austherapierter Fall“ nach Hause geschickt. Dieses Mal war ich bereit zu sterben!

 

Ich war ein körperliches und seelisches Totalwrack. Jedoch gab es eine Stimme in mir, die einfach nicht aufgeben wollte. So holte ich mir verschiedene Unterstützungen und Hilfestellungen und änderte mein Leben. Ich lernte z.B. verschiedene Entspannungs-methoden ebenso für mich zu nutzen. Vor allem jedoch lernte ich mich selbst viel besser kennen. Was gefiel mir wirklich? Was wollte ich mit meinem Leben überhaupt anfangen? Wollte ich SO weiterleben? Ich war anfangs viel alleine und hatte somit auch Zeit, mich mit diesen und ähnlichen Fragen zu beschäftigen. Etwas später entschied ich mich für einen mehrwöchigen Aufenthalt in einer psychosomatischen Tagesklinik wo ich sowohl in Gesprächen als auch mit kreativen Mitteln, die Erlebnisse akzeptierte und verabschiedete.

 

Die körperlichen Wunden heilten gut, meine Seele kam jedoch nicht hinterher und ich litt vor allem an Angstzuständen, die immer wieder auch mal in Panikattacken mündeten. Das konnte und wollte ich nicht alleine durchhalten. Die verschiedenen Therapien halfen mir, wieder festen Boden zu erlangen. Nach einigen Monaten begann ich mich wieder etwas wohler zu fühlen und schöpfte neue Hoffnung.

 

Ob ich gesund war oder nicht, wurde mir immer mehr egal. Hauptsache, ich fühle mich wohl und diese Einstellung habe ich mir bis heute erhalten. Ich suchte mir mehr und mehr die Ärzte, Therapeuten etc. aus, die sich auf mich und meine Lebensweise einstellten und mich nicht wieder zu irgendetwas überreden wollten. Glücklicherweise habe ich gerade in den letzten Jahren immer auch welche getroffen, die genau das tun. Diese Reise war ganz sicher nicht leicht und gerade zu Beginn war ich oft sehr hoffnungslos und völlig überfordert.

 

Nach einigen Monaten machte ich mich selbständig und begann mir meine Träume selbst zu erfüllen. Ich verzichtete auf ärztliche Ratschläge z.B. für weitere OP´s und sorge – bis heute – dafür, dass es mir seelisch vor allem gut geht, dass ich in meiner Mitte bin. Dann klappt das auch mit dem Körper 😉

 

Endgültig zu mir fand ich in den letzten 10 Jahren: 2007 folgte ich meinem damaligen Ehemann in die Schweiz und gab mein eigenes Leben komplett auf. Plötzlich war ich schwanger in einer fremden Umgebung ohne Freunde und musste erneut alleine klarkommen, da mein damaliger Ehemann oft sehr lange arbeitete. Ständig waren wir neuen Herausforderungen ausgesetzt und das hielt unsere Ehe nicht lange durch, sodass ich 2010 plötzlich mit zwei kleinen Kindern komplett auf mich allein gestellt war. Ich durchlitt vor allem seelische Höllen, die natürlich auch meinen Körper nicht verschonten.

 

Wieder verlor ich mich bis auf eine kleine Stimme, die auch dieses Mal nicht aufgeben wollte. So traf ich glücklicherweise hin und wieder Menschen, die mich wohlwollend vielfältig unterstützten. Doch die Gefühle und Gedanken und eben auch die Körpersensationen kann mir Niemand nehmen.

 

So lernte ich, noch mehr Verantwortung für mich selbst zu übernehmen und mich selbst auf den Weg zu machen ohne Erwartung, dass mich Jemand retten wird!

 

Dieses Jahr werde ich nun 50! Es gab Zeiten, da hätte auch ich das nie für möglich gehalten! Auch wenn meine Reise oft sehr beschwerlich und schmerzhaft gewesen ist, möchte ich sie nicht missen. Ich bin stolz und dankbar, immer noch hier zu sein und durch all die schweren Schicksalsschläge meine Berufung gefunden zu haben. Nicht nur mit meiner Geschichte gelingt es mir mehr und mehr, andere Menschen zu ermutigen, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Ich schenke ihnen Hoffnung, Mut und Kraft und freue mich, wenn sie dadurch ins Nachdenken und noch viel lieber ins Handeln kommen.

 

Viele Jahrzehnte war ich Überlebenskämpferin und seit einigen Jahren lerne ich das Leben/den Moment zu genießen. Für mich gibt es nichts Schöneres als den jetzigen Moment zu erleben! Mit mir und natürlich auch mit anderen!

 

Selbstverständlich habe auch ich weiterhin so meine Herausforderungen, aktuell die Pubertät meiner Kinder 😉

 

Herausforderungen gehören zum Leben dazu. Wir können sie nicht verhindern, sondern sie entweder meistern oder lernen mit ihnen zu leben.

 

Wenn es mich mal wieder durchschüttelt, gehe ich sehr gerne in den Wald und jammere die Bäume an. Es ist mir wichtig, allen meinen Gefühlen und Gedanken Raum zu geben, jedoch entscheide ich, wieviel Zeit diese bekommen und ich übe jeden Tag „danach“ wieder in mei-ne guten Gefühle/Energien zurück zu kehren.

 

Hin und wieder hole ich mir Wegbegleiter, denn niemand sollte in schweren Zeiten alleine gehen.

 

All das kannst Du auch! Auch Deine Herausforderung wird eines Tages zu Ende gehen und vielleicht gehst Du durch Deine nächste Herausforderung etwas leichter. Entscheidend ist es – zumindest erlebe ich das – dass du immer wieder zu dir zurückfindest. In deine Mitte, in Dein SEIN. Mit SEIN meine ich, dass Du so bist und lebst, wie Du wirklich bist und sein willst. Dass Du Dich nicht hinter Rollen versteckst und Dir Unterstützung organisierst, wenn Du alleine nicht mehr weiterweißt. Dass Du die Verantwortung für Dich und Handeln übernimmst und eben immer bei Dir selbst bleibst. Das ist leichter gesagt als getan. Für mich ist das ein lebenslanger Lernprozess, der sich auf jeden Fall lohnt. Ich übe jeden Tag, mich durch Nichts und Niemanden mehr aus der Bahn werfen zu lassen indem ich z.B. alles, was von außen kommt kritisch überprüfe und selbst entscheide, ob ich diese Meinung teile oder nicht. SEIN heißt für mich auch, den jetzigen Moment zu genießen. Dass Du z.B. ein Fenster öffnest und den Sonnenschein genießt.

 

Und lass Dir bitte von niemandem erzählen, dass Du etwas nicht kannst! Entscheide Du, ob Du das wirklich willst und schaue, wie es Dir gelingen kann und hole Dir dafür Unterstützung.

 

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen viel Mut und Kraft für Deinen weiteren Weg. SEI in Deinem Leben, ganz gleich wer oder was da kommen mag!

 

Herzlichst, Petra Wagner

www.petrawagner.com

 

 

Stand: 28.02.2021

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